Hilka Nordhausen  
  Fixierstift auf Wand, Fotosequenz einer Zeichnungsaktion, 1974  
     

"Untersuchungen zum Zeichenvorgang"
(A 22), 1974, je 250 x 200 cm
 
 
"Wölfe", 1980
Dispersion auf Karton
 
 
Buch "Melonen für Bagdad", 1980
 

Hilka Nordhausen (1949-1993) war eine der wichtigen Persönlichkeiten im Hamburger
Kunst- und Kulturbetrieb der 70er und 80er Jahre. Die von ihr begründete und geführte
"Buch Handlung Welt" (1976-1983) war ein Ort, an dem sich Filmemacher, Autoren,
Künstler und ein interessiertes Publikum zusammenfanden, um Lesungen, Ausstellungen
mit Wandbildern und Performances zu erleben. Die Veranstaltungen, etwa mit Dieter
Roth, Martin Kippenberger, Norbert Schwontkowski, Heinz Emigholz oder Allen Ginsberg,
hatten überregionale Ausstrahlung. In der "Buch Handlung Welt" konnte man ein
für die Zeit ungewöhnlich breites Angebot an Künstlerbüchern und Texten der
literarischen Avantgarde finden.

Hilka Nordhausen hatte an der Hamburger Hochschule für Bildende Künste bei Franz
Erhardt Walther und Gerhard Rühm studiert. Noch während des Studiums begann sie
mit der Arbeit an umfangreichen Zeichnungszyklen, die nach konzeptionellen
Vorgaben ausgeführt wurden. Strukturiert durch Zeitraster oder Bewegungsabläufe
entstanden Serien, deren minimalistische Erscheinungsform mit dem notathaften
Ausdruck der Körperlichkeit der Künstlerin verbunden ist. Neben der künstlerischen
Arbeit entstand auch ein umfangreiches literarisches Werk.

In den 80er Jahren beschäftigte Hilka Nordhausen sich intensiver mit der Malerei
und entwickelte ein eigenständiges Werk, das die Qualität ihrer zeichnerischen Ansätze
ebenso wie die Freude am malerischen Prozess spüren lässt. Bei den Zeitschriften-
übermalungen überwiegen anfangs figurativ-gegenständliche Blätter, die malerisch
unmittelbar auf die gedruckte Vorlage reagieren. Die Veränderungen der Arbeitsweise
beschreibt die Künstlerin 1984: "Die Bearbeitung von 12 / 15 Büchern nebeneinander
und das prozessuale Vorgehen, die Vorlagen Seite um Seite zu bearbeiten, führt zu
einem spezifischen Farb- und Formenvokabular, was ich als "inneren Raum" bezeichne.
Er entsteht, wenn ich täglich viele Stunden fließend male. Dann finde ich zu einem
inneren Rhythmus mit den Farben, die Formen wachsen aus meinem Farbempfinden
und verselbständigen sich."

In einer ersten Übersichtsausstellung hat die Hamburger Kunsthalle im Jahre 2002
vor allem die frühen konzeptionellen Arbeiten und Zeichnungen der jung verstorbenen
Künstlerin einer größeren Öffentlichkeit vorgestellt. Ein umfassender Katalog ist zu
der Ausstellung erschienen.

Dörrie * Priess vertritt den Nachlass von Hilka Nordhausen und wird in den kommenden
Jahren verschiedene Werkgruppen zeigen. In einer zweiten Nachlassausstellung zeigte
die Galerie 2004 Malereien von Hilka Nordhausen von Anfang bis Mitte der 80er Jahre.
2006 werden in der Berliner Galerie konzeptionelle Zeichnungen von Anfang der 70er
Jahre gezeigt.

Im Sommer 2004 zeigte das Museum Moderner Kunst Stiftung Ludwig in Wien Arbeiten
von 10 Künstler der 60er und 70er Jahre, die nach kurzen bedeutenden Werkphasen
aus dem System Kunst ausgeschieden sind. Hilka Nordhausen war mit Arbeiten aus den
70er Jahren in der Ausstellung des Mumok vertreten. Der im Verlag der Buchhandlung
Walther König erschienene Katalog kann über den Buchhandel bezogen werden.

Besprechungen / reviews
Daniel Völzke im Tagesspiegel
Helmut Höge in der taz

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