Jürgen Albrecht   
  Blick in die Skulptur für Tageslicht "25.03.2006", 45 x 46,5 x 200 cm  
     

Ausstellung HausSchau
Deichtorhallen Hamburg
 
 
 
 
"6.6.95", Innenansicht der Skulptur
 
 

Innen- und Außenansicht einer Skulptur von Jürgen Albrecht sind immer überraschend
verschieden. Der Betrachter nimmt die Arbeiten zunächst als Objekte im Raum
wahr, wobei sie mit ihren strengen geometrischen Formen und ihrer schlichten
hellgrauen Außenseite den Raum gliedern und prägen. Die Objekte selbst wirken fast asketisch

Einen ganz anderen Eindruck gewinnt der Betrachter, wenn er durch die Öffnung der Skulptur
in ihr Inneres schaut. Nun erblickt er eine Raumflucht oder eine labyrinthische Architektur,
die Assoziationen an Wahrnehmungsbilder konkreter Raumsituationen freisetzt und zugleich
abstrakt ist. Dabei fällt es dem Betrachter äußerst schwer, die Dimensionen der vermeintlichen
Räume, Korridore, Vorsprünge, Nischen einzuschätzen. Man meint, den vor einem liegenden
Raum betreten zu können oder sich bereits mitten in ihm zu befinden.

Licht und Schatten spielen bei der Konstruktion dieser komplexen Innenräume die
zentrale Rolle. Je nach der äußeren Lichtsituation verändert sich auch der Lichtraum
im Inneren.

Ein wichtiger Aspekt der Arbeiten von Jürgen Albrecht stellt die Interaktion zwischen
dem Betrachter und dem Kunstwerk dar. Der Künstler arbeitet bevorzugt mit Tageslicht.
Folglich wandelt sich je nach Lichtsituation am Tag die Wirkung der Innenräume permanent.
Erst in der prozesshaften Wahrnehmung erlebt der Betrachter die innere Architektur in all
ihren Facetten.

Auch die neueren Videoarbeiten Albrechts spiegeln die intensive Auseinandersetzung mit
Licht und Raum wider. Jürgen Albrecht baut dafür zunächst einen Korpus aus Karton, in dem
sich ein architektonisch strukturierter Raum befindet. An der Vorderseite des Raumkörpers
wird für die Aufnahme eine Videokamera fest mit dem Objekt verbunden. Mit diesem Objekt,
das Albrecht als Instrument bezeichnet, bewegt sich der Künstler zu verschiedenen Tageszeiten
durch unterschiedliche Räume und Landschaften.

Die wechselnden farbigen Welten, die im Inneren des Instruments durch einfallendes
Tageslicht entstehen, werden mit der Videokamera aufgezeichnet. In der
Ausstellungssituation wird dieser Film dann projiziert, ohne vorher bearbeitet und
manipuliert worden zu sein. Der Künstler hat nur Einfluss auf das Entstehen der Bilder
genommen. Durch die Auswahl der Situation, der Räume, Landschaften, Tageszeiten
und die Festlegung der Verweildauer definiert er den Prozess.

Durch die großformatigen Projektionen wirkt auch der Übergang zwischen dem realen
Ausstellungsraum und dem gefilmten Innenraum fließend - beide scheinen die gleichen
Dimensionen zu haben. So kann sich der Betrachter leicht vorstellen, in diesen Bildraum
real einzutreten. Wie in allen Arbeiten Albrechts ist auch hier die Realität der Arbeit
direkt an das Prinzip der Imagination gekoppelt. Nicht das, was wirklich existiert, ist
entscheidend, sondern was darauf aufbauend im Kopf des Beobachters entsteht.


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